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Zimmermann ermittelt (34) – Tatort Kinderzimmer [Regional-Krimi]

Posted by Marco on 16. September 2017 with No Commentsas , , , , , , , , , , , ,

Tatort Kinderzimmer

Kommissar Zimmermann betrat am frühen Montag Morgen das Büro in der hemeraner Innenstadt. Sein Assistent Inspektor Schmidt war bereits vor Ort.
„Kaffee!“, grummelte Zimmermann statt einer Begrüßung – wie üblich am Wochenanfang.
Schmidt antwortete nicht. Er sprang auch nicht von seinem Sessel auf, um seinem Chef den üblichen Kaffeebecher zu bringen.
„Schmidt?“, fragte der Kommissar. „Alles in Ordnung bei ihnen oder stimmt etwas nicht?“
Der Inspektor murmelte etwas Unverständliches, kam aber nicht hinter seinem Computermonitor hervor.
„Hallo? Erde an Schmidt! Können sie mich empfangen?“
Zimmermann umrundete den Schreibtisch und entdeckte dahinter einen Inspektor mit einem kreidebleichen Gesicht. Sein Gesichtsausdruck schwankte zwischen Ekel und Entsetzen.
„Schmidt? Was ist mit ihnen los? So habe ich sie ja noch nie erlebt.“
Zimmermann legte seinem Gegenüber eine Hand auf die Schulter. Erst jetzt schien Schmidt zu bemerken, dass er nicht mehr allein im Büro war. Er schreckte hoch und sah seinen Vorgesetzten entgeistert an.
„Ich … äh … ich.“
Er musste schlucken, bevor er weiter sprechen konnte.
„Wir haben eine Anfrage vom LKA bekommen. Wir sollen einen Fall untersuchen, der sich irgendwo hier in der Gegend abgespielt haben soll. Die Kollegen haben Hinweise aber nichts Konkretes. Jetzt brauchen sie Hilfe von uns, da wir uns hier besser auskennen.“
Und die Hilfestellung hat sie so geschockt? Ich dachte, sie stecken voller Arbeitseifer und können den Beginn eines neuen Falls kaum erwarten.“
Schmidt schüttelte den Kopf. „Das ist es nicht. Es ist die Art von Fall. Damit hatten wir bisher noch nie zu tun.“
Er schwenkte den Monitor etwas zur Seite, damit der Kommissar sehen konnte, worum es geht.
„Was ist das? Ein verpixeltes Homevideo? Deswegen sind sie so blass geworden? Sie veralbern mich.“
Schmidt schüttelte den Kopf.
„Das ist kein normales Video. Es ist Kinderpornografie. Die Kollegen vom LKA haben alles verpixelt, was für uns nicht relevant ist. Wir sollen uns nur auf die Hintergründe konzentrieren. Also die Wohnung, die Bekleidung der Täter, die Umgebung, wenn Fenster zu sehen sind. Aber trotzdem kann man immer erahnen, was mit den Kindern in diesem Video angestellt wird, und das macht mich mehr als fertig.“
„Kein Problem. Ich setze mich dazu. Wir machen das gemeinsam.“
Zimmermann holte schnell zwei Tassen Kaffee und nahm dann neben seinem Kollegen Platz.
Eine ganze Weile schwiegen sie und konzentrierten sich auf das Video. Immer wieder waren erwachsene Personen – meist Männer – zu erkennen, die sich an Kindern vergingen. Leider waren ihre Gesichter nie zu sehen. Meist endete der Bildausschnitt am Hals oder die Täter trugen bunte Masken.
„Da ist nicht viel Verwertbares bei. Die Klamotten könnte praktisch jeder tragen. Woher stammt das Material und weshalb glaubt das LKA, dass die Täter aus unserer Gegend stammen?“
Schmidt seufzte erleichtert. Er schien froh darüber zu sein, das Video kurz anhalten zu können, um sich auf etwas Anderes zu konzentrieren.
„Man hat kürzlich einen Kinderpornoring ausgehoben. Tausende Videos wurden online gefunden und sichergestellt. Einige Pädophile wurden festgenommen und dem Haftrichter vorgeführt. Aber man erwischt leider nie alle Täter.
Im Anschluss wurden Computer und Netzwerke sichergestellt und durchsucht. Dabei tauchen dann IP-Adressen auf. Diese sind aber wohl verschleiert und verschlüsselt. Man kann sie nicht immer komplett zurückverfolgen. Im vorliegenden Fall ist man zumindest bis zum Märkischen Kreis gekommen. Die restliche Arbeit liegt nun bei uns, sofern wir etwas erkennen, das uns bekannt vorkommt.“
Nach ein paar Minuten gab es einen Schnitt. Der Aufnahmeort war ein anderer. Erwachsene waren nicht mehr zu sehen, nur ein kleines Kind, das gerade dabei war, sich auszuziehen.
„Es geht wohl zu Bett. Zumindest steht die Sonne schon recht tief.“
Das Kind selbst war wieder verpixelt, dafür hatte das LKA aber den Ausschnitt des Fensters vergrößert.
Schmidt seufzte wieder.
„Ich komme nur leider nicht weiter. Ich sehe mir diese Videos schon zum dritten Mal heute an und finde einfach nichts Bekanntes. Vielleicht schockieren mich diese Bilder auch so sehr, dass ich mich nicht mehr konzentrieren kann.“
Zimmermann nahm sich die Maus zur Hand und stoppte das Video.
„Können sie das Fenster noch weiter vergrößern? Irgendwas muss man doch erkennen können. Verdammt nochmal.“
Schmidt zoomte etwas heran.
„Ein paar Felder, ein Wald. Das könnte überall im Sauerland sein. Das ist ja das Problem.“
Aber das reichte dem Kommissar nicht. Er hatte Blut geleckt, wollte zumindest ein wenig dazu beitragen, den pädophilen Straftätern das Handwerk zu legen.
„Aber da ist doch noch mehr. Da rechts geht ein Weg durch die Felder. Und da. Noch weiter rechts ist eine Straße. Ist das nicht …?“
Sie zoomten noch weiter in das Standbild hinein.
„… eine große bunte Holzente!“
Schmidt schüttelte ungläubig den Kopf. „Ich hatte es die ganze Zeit vor Augen, hab es aber nicht erkannt. Tut mir leid.“
„Schon in Ordnung. Mich lässt das Videomaterial auch nicht kalt. Im Gegenteil. Aber jetzt sollten wir uns darum kümmern, den Ort der Tat zu finden.“
Zimmermann holte aus seinem Schreibtisch einen Stadtplan hervor und pinnte ihn an die Wand.
„Von wo aus sieht man denn nun das Felsenmeer ungehindert?“
Er zog mit dem Finger ein paar gedankliche Linien vom Felsenmeer nach Deilinghofen und zurück.
„Grüner Brink!“, riefen Zimmermann und Schmidt wie aus einem Munde.
„Die Kollegen vom LKA sollen uns ein Gesichtsfoto des Kindes schicken. Dann fahren wir hin und suchen nach dem Opfer. Wenn wir das Kind finden, finden wir auch den Täter.“
Kurze Zeit später klingelten sie an der ersten Haustür.

Die Tür öffnete sich. Ein Mann in den 30ern kam zum Vorschein. Vor sich sah er zwei Herren. Der eine in einem ziemlich abgetragenen Trenchcoat, der andere in einem Anzug.
„Ich kaufe nichts an der Tür und Missionare lasse ich auch nicht ins Haus, egal welcher Konfession oder Religion sie angehören.“
Er grinste. Die beiden Männer wollten sein Grinsen allerdings nicht erwidern. Stattdessen griffen sie in ihre Taschen und holten ihre Ausweise hervor.
„Zimmermann und Schmidt von der Kriminalpolizei Hemer. Wir müssen mit ihnen sprechen. Können wir rein gehen?“
Mike, so der Name des Hausbewohners, verlor sein Grinsen. Seine Gesichtszüge entgleisten. Unzählige Fragezeichen entstanden auf seiner Stirn.
„Ja … äh … dann kommen sie rein.“
Die Beamten betraten das Haus und ließen sich ins Wohnzimmer führen.
„Worum geht es denn? Ist etwas passiert?“
„Herr, äh …“, Schmidt holte seinen Schreibblock aus der Tasche und blätterte darin herum. „Herr Frede, haben sie Familie? Haben sie Kinder?“
Mike nickte. Dann bekam er entsetzte Augen. „Ist irgendwas mit meiner Frau und meiner Tochter passiert? Gab es einen Unfall? Sind sie etwa …? Sie wollten doch nur zum Spielplatz.“
Zimmermann stellte seinen Kaffeebecher, den er mitgebracht hatte, auf den Tisch vor sich.
„Wir sind nicht hier, um ihnen vom Tod ihrer Familie zu berichten. Das ist nicht unsere Aufgabe. Es ist auch nichts dergleichen passiert. Wir sind aus einem anderen Grund hier.“
Er holte tief Luft, bevor er weiter sprach.
„Wir gehen dem Verdacht auf eine schwere Straftat nach.“
Er nickte Schmidt zu, der ein Tablet auf den Tisch legte. Nach ein paar Klicks startete das Video, dass sie bereits im Büro gesehen hatten.
Mike beugte sich über den Monitor.
„Aber … das ist Emelys Kinderzimmer. Wie kommen sie an solche Aufnahmen? Wie haben sie die gemacht?“
Er sah, wie sich seine Tochter auszog und zum Schlafen fertig machte.
„Dass die Aufnahmen hier gemacht wurden, haben sie uns also schon bestätigt. Damit erhärtet sich der Verdacht, dass sie oder ihre Frau pornografisches Material von Kindern gemacht haben. Ich denke, es wäre eine gute Idee, wenn sie uns aufs Revier begleiten würden.“
Mike schnappte nach Luft.
„Aufs Revier? Kinderpornos? Wir? Das kann nicht sein. Das stimmt nicht. Wir lieben unsere Tochter.“
In diesem Moment öffnete sich die Haustür.
„Wir sind wieder da!“, rief eine weibliche Stimme. Kurz darauf stürmte ein kleines Mädchen herein und klammerte sich an Mikes Bein.
„Hallo Papa. Hast du mich vermisst? Aber jetzt bin ich wieder da.“
Die kleine Emely drehte ihren Kopf und sah die zwei Kriminalisten unsicher an.
„Was sind das für Männer? Sind sie zu Besuch?“
„Das wollte ich auch gerade fragen.“
Die Kindsmutter war gerade herein gekommen.
„Zimmermann und Schmidt, Kriminalpolizei. Können wir vielleicht ungestört reden – ohne das Kind?“
„Emmi, gehst du bitte rauf in dein Zimmer? Mama kommt gleich nach, wenn die Herren wieder gegangen sind. Du kannst ja schon mal die schmutzigen Sachen ausziehen und in die Wäsche geben. Die sauberen Klamotten liegen auf deinem Bett.“
Emely nickte und flitzte die Treppe rauf.
Der Kommissar erklärte noch einmal den Fall und ließ den Inspektor das Video vorführen.
„Und sie glauben wirklich, dass wir so etwas machen?“
„Reg dich nicht auf, Tini. Es wird sich bestimmt alles aufklären.“
Mike nahm seine Frau in den Arm. Die ersten Tränen rannen ihr bereits an den Wangen herab.
„Das ist unser Kind – mein Baby. Wer macht denn sowas? Das kann ich einfach nicht glauben. Das kann doch gar nicht wahr sein.“
Schmidts Handy ertönte. Er stand auf, zog sich in den Hausflur zurück und nahm das Gespräch dort entgegen. Es dauerte nur ein paar Sekunden, bis er wieder ins Wohnzimmer kam.
„Das waren die Kollegen vom LKA. Es gibt Neuigkeiten. Mittlerweile gibt es sogar Livestreams von Kindern.“
Er klickte auf das Tablet. Er begab sich in das Darknet, öffnete eine Seite und schon ploppte ein Video auf. Sie sahen Emely, wie sich umzog. Doch dieses Mal wechselten die Perspektiven. Mal war sie von der einen, mal von der anderen Seite zu sehen. Ein paar Sekunden war sie in der Totalen zu sehen, dann wieder nah heran gezoomt.
„Jetzt sind es zwei Kameras. Und irgendwer scheint sie zu bedienen.“
Die Eltern sprangen auf. Zimmermann und Schmidt folgten ihnen. Sie liefen nach offen, rissen die Tür des Kinderzimmers auf. Das kleine Mädchen, mittlerweile fast wieder komplett bekleidet ließ vor Schreck seine Söckchen fallen.
„Alles in Ordnung, Spätzchen.“, rief Tini lauter, als sie beabsichtigt hatte. Kannst du mal nach unten gehen. Ich glaube, du hast dort deinen Teddy liegen lassen.“
Das Kind folgte der Aufforderung.
Schmidt sah auf sein Tablet. „Der Stream wurde unterbrochen. Aber Anhand der bisherigen Aufnahmen kann ich die Standorte der Kameras ausfindig machen.“
Er blickte sich im Zimmer um, machte ein paar Schritte nach links und rechts, ging vor und zurück, sah durch die Regale.
„Irgendwo dort. Zwischen den vielen Kuscheltieren muss sie sein.“
Es dauerte eine ganze Weile, bis sie tatsächlich fündig wurden.
„Verdammt, war das Ding gut versteckt.“
Zimmermann hatte eine kleine Plüschkatze in der Hand. Auf den ersten Blick sah aus, wie jede andere auch. Auf den zweiten fiel aber ein leicht verändertes Auge im Kopf auf. Darin verbarg sich eine kleine Kameralinse.
Schmidt nahm ihm das Beweisstück aus der Hand, klappte sein schweizer Taschenmesser auf und schnitt vorsichtig durch das Fell. Zum Vorschein kam jede Menge Elektronik.
„Kamera, Kleinstcomputer und eine Sendeeinheit mit ausländischer SIM-Karte. Schwer den wahren Besitzer ausfindig zu machen.“
Es klopfte an der Tür. Emely steckte den Kopf durch die Tür.
„Darf ich rein kommen? Ich habe mein neues Kuscheltier hier vergessen.“
Sie flitzte zum Bett und wollte sich ein kleinen Püschhund schnappen.
„Nicht anfassen!“
Schmidt sprang vor, stellte sich neben das Tischchen und sah sich um.
„Die Perspektive passt zur zweiten Kamera.“
Er nahm den Hund und sah ihm in die Augen. Dann nickte er. „Da steckt auch eine drin.“
Zimmermann ging in die Hocke. „Emmi. Verrat mir doch mal, woher du diesen Hund und die Katze hast.“
Emmi grinste.
„Die habe ich auf dem Spielplatz gefunden. Sie waren ganz einsam und haben ein neues Zuhause gesucht.“
Schmidt und Zimmermann sahen sich überrascht an. „Das ändert alles!“

Noch immer hörte Zimmermann die Worte des Kindes in seinem Kopf.
Ich habe die Kuscheltiere auf dem Spielplatz gefunden. Sie waren ganz allein und haben nach einem neuen Zuhause gesucht.
Und nun standen sie auf besagtem Spielplatz. Der Ernst-Löwen-Spielplatz. Viel war noch nicht los. Klar. Es war noch sehr früh am Morgen. Fünf Uhr um genau zu sein. Keine Kinder, keine Eltern. Auch auf den Straßen war alles ruhig.
„Hier hat das Schwein offensichtlich seine Köder ausgelegt.“, grummelte Zimmermann, der die frühe Zeit schon bereute, da es zu dieser Zeit nirgendwo einen vernünftigen Coffee To Go gab. Zumindest nicht in Hemer.
Sie gingen einmal über das Gelände und ließen ihre Blicke oberflächlich über die Spielgeräte gleiten. Zu finden war nicht viel. Eine alte Schüppe, ein zerbrochener Plastikeimer, eine benutzte Windel in den Büschen und ein paar leere Bierflaschen.
„Was machen wir jetzt?“, fragte Schmidt.
„Wir können nicht viel machen. Wir können nur warten, in der Hoffnung, dass der Täter wieder hier auftaucht.“
Der Kommissar atmete schwer ein, bevor er weiter sprach. „Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass wir Glück haben. Er hat uns auf dem Livestream gesehen. Deswegen hat er ihn auch abgeschaltet. Er wäre dumm, wenn er noch einmal auftauchen würde.“
„Warten wir trotzdem?“
„Ja, wir warten trotzdem.“
Sie suchten sich einen großen Busch aus, setzten sich hinein und warteten ab. Nach und nach kroch ihnen die Kälte der Nacht in die Mäntel und unter ihre Knochen. Beide fröstelten schon nach wenigen Minuten.
„Was würde ich nicht alles für einen großen Becher Kaffee tun. So einen richtig Großen. Wissen sie, so einen aus Amerika, aus dem die Amis immer ihre Cola trinken. 1,5 Liter. Traumhaft. Aber stattdessen sitze ich in diesem Busch und schaue einem Spielplatz dabei wie er absolut Nichts macht.“
Zimmermann klopfte sich mit den Händen auf die Oberarme, um sich wenigstens eine Spur aufzuwärmen. Und jemand anderes tat es ihm gleich. Ein dicklicher Mann betrat frierend den Spielplatz. Er schien wohl mit dem Auto gekommen zu sein, denn er trug keine Jacke.
„Wer ist das?“ Der Kommissar zeigte mit dem Finger zum Eingang.
„Keine Ahnung. Könnte aber interessant werden. Was könnte ein erwachsener Mann zu so einer frühen Stunde auf einem Spielplatz suchen?“
„Das Gleiche dachte ich mir auch.“
Sie zogen sich noch etwas weiter in den Busch zurück und beobachteten. Der Mann hingegen hatte seine Beobachter nicht bemerkt. Zu sehr war er damit beschäftigt, sich alles genau anzusehen. Er ging von einem Busch zum anderen, lief an den Spielgeräten entlang und sah sich sehr gründlich um.
„Der sucht doch etwas. Ob das unser Mann ist?“ Schmidt holte sein Handy aus der Tasche und begann, die ganze Situation als Video aufzuzeichnen.
„Aber was sucht er? Wenn er unser Täter ist, dann könnte er nur nach einem neuen Versteck für ein Kuscheltier suchen, aber danach sieht es nicht aus. Ich habe eher die Vermutung, dass er ganz bewusst nach etwas sucht, dass sich hier befinden muss.“
Irgendwann holte auch der Suchende ein Handy aus der Tasche. Er tippte eine Weile auf dem Display herum. Danach wechselte sein Blick immer wieder vom Handy zur Umgebung und zurück. Dabei drehte er sich um seine eigene Achse und suchte weiter. Ständig hielt er sein Gerät in verschiedene Richtungen und schien etwas abzugleichen.
„Der sucht doch nach einem Kuscheltier. Da gehe ich jede Wette ein. Das ist unser Mann. Er will seine Spuren verwischen. Mit dem Handy hat er die verbaute Kamera aktiviert, weil er nicht weiß, wo sie sich befindet.“
Zimmermann sah seinen Assistenten an.
„Sobald er uns den Rücken zudreht, schleichen sie sich an ihn ran und schnappen ihn sich. Er darf dabei aber keine Chance bekommen, die Verbindung zur Kamera abzuschalten. Die werden wir als Beweis brauchen.“
Schmidt nickte. Sekunden später machte er sich auch schon auf den Weg. Auf dem feuchten Gras waren seine Schritte fast nicht zu hören. Noch bevor es der mutmaßliche Täter richtig merkte, zog er ihm das Handy aus der Hand und sah auf das Display.
Er nickte dem Kommissar zu. Dieser kam nun auch aus dem Busch. Der Mann erschrak und setzte sich in Bewegung, wollte flüchten. Doch mit seinem großen Übergewicht kam er nicht weit. Zimmermann hatte ihn schon nach wenigen Schritten eingeholt und hielt ihm die Dienstwaffe an den Rücken.
„Es ist vorbei, Mann. Sie sind verhaftet.“
Schmidt kam hinterher. Er hatte inzwischen einen Teddybär gefunden. Auch dieser war mit einer Kamera ausgerüstet worden.
„Den Täter treibt es am Ende immer wieder an den Ort seiner Tat zurück. Es klingt wie ein Klischee, aber es bewahrheitet sich immer wieder.“
„Ich weiß gar nicht, was sie wollen. Ich habe nichts getan. Sie können mir überhaupt nichts.“
„Und was ist mit diesem Teddy?“ Der Inspektor hielt ihm das Corpus Delicti unter die Nase.
„Das habe ich noch nie gesehen. Das ist nicht von mir. Und das können sie mir auch nicht beweisen.“
Zu dritt verließen sie den Spielplatz. Der Teddy war tatsächlich kein stichhaltiger Beweis. Der Mann konnte ein Nutzer sein. Ein Pädophiler, aber vielleicht nicht unbedingt derjenige, der die Kuscheltiere präparierte.
Schmidt holte ihm die Papiere aus der Tasche und blätterte darin herum.
„Ach schau an, ein Fahrzeugschein. Und siehe da, dort steht auch schon ihr Wagen. Da werfen wir doch gleich mal einen Blick hinein.“
Sie blieben vor der Heckklappe eines großen, dunklen SUV stehen.
„Aufmachen!“
Zimmermanns Befehlston duldete keinerlei Widerspruch.
„Haben sie einen richterlichen Durchsuchungsbefehl? Ich habe jahrelang Barbara Salesch im Fernsehen geschaut. Ich kenne meine Rechte.“
„Aufmachen habe ich gesagt. Ich kann sonst auch anders.“
Der Mann zog langsam seinen Schlüssel aus der Tasche. Der genervte Kommissar nahm ihn sofort an sich und öffnete die Verriegelung.
„Ich glaube, mir wird gerade schlecht.“, kam es leise über Schmidts Lippen.
Vor ihnen standen zwei große Pappkartons, in denen sich unzählige Kuscheltiere befanden. Nach und nach sah sich der Inspektor ein paar von ihnen an.
„Alle mit Kameras präpariert. Wir haben unseren Täter.“
„Sie sind festgenommen. Da bringt ihnen auch Barbara Salesch nichts mehr.“

(c) 2017, Marco Wittler