Zimmermann ermittelt (29) – Mordfall auf dem Bauernhof [Regional-Krimi]

Posted by Marco on 25. September 2016as , , , , , , , , , , , , , ,

Mordfall auf dem Bauernhof

Inspektor Schmidt war gerade auf einem Bauernhof in Deilinghofen angekommen und stieg aus dem Wagen aus. Auf dem Beifahrersitz saß der Chef, Kommissar Zimmermann und nippte desinteressiert an einem großen Becher Kaffee, den ihm seine rechte Hand ein paar Minuten zuvor im Café an der Hönnetalstraße besorgt hatte.
Mit dem Finger klopfte Schmidt an die Scheibe und versuchte Zimmermanns Aufmerksamkeit zu wecken. Dieser seufzte kurz und stieg ebenfalls aus.
»Der Fall ist bestimmt interessant Ich habe im Voraus mit den Kollegen gesprochen. Wir haben es wohl mit einem Mordfall zu tun. Der Täter befindet sich allem Anschein nach noch vor Ort. Allerdings liegt es nun an uns, heraus zu finden, wer es ist. Die Sachlage ist wohl nicht ganz eindeutig.«
Der Kommissar kratzte sich den ungepflegten Dreitagebart und grinste lustlos für einen Augenblick.
»Soll das eine Herausforderung sein? Eine meiner leichtesten Übungen.«
Er trank den Kaffeebecher leer und ließ ihn achtlos fallen. Der Inspektor würde sich schon darum kümmern, was dieser gewohnheitsmäßig auch tat.
Langsam setzten sie ihren Weg weiter fort und sahen sich um. Sie konnten keinen einzigen Streifenwagen, keine Polizeibeamten entdecken. Nicht einmal die Spurensicherung war zu sehen.
»Wo sind unsere Leute? Ich dachte, man hätte ihnen schon die ersten Informationen durchgegeben. Warum ist die Spurensicherung nicht hier?«
Schmidt lachte und hielt sich den Bauch.
»Kein Problem. Der Fall erfordert nur eines: Ihre feine Spürnase, Chef.«
Sie gingen um eine Scheune herum und trafen auf drei Männer, die schweigend etwas Abstand voneinander hielten, die jeweils anderen aber nicht aus ihren grimmigen Blicken ließen. Als sie die  beiden Kriminalbeamten entdeckten, schienen ihnen dutzende schwere Steine von den Herzen zu fallen.
»Zimmermann und Schmidt, Kriminalpolizei Hemer.«, stellte der Inspektor vor, während er in seinen Taschen nach seinem Dienstausweis suchte und ihn vorzeigte. Lustlos folgte der Kommissar diesem Beispiel, kramte in den Taschen seines schmuddeligen Mantels und gab schließlich erfolglos aufgab.
»Egal. Ausweis ist nicht so wichtig. Die Leute kennen mich seit Jahren.«
Schmidt machte eine wegwerfende Handbewegung. Er schüttelte den Anwesenden die Hände, waren sie doch alle gemeinsam Mitglieder des hiesigen Kegelvereins.
»Also, was ist hier passiert? Ich will jetzt Einzelheiten hören.«, fragte Zimmermann und erwartete, dass sein Kollege Notizblock und Kugelschreiber in die Hand nehmen würde. Doch genau das geschah eben nicht.
»Immer ruhig mit den jungen Pferden. Wir haben es doch nicht eilig.«
Schmidt drehte sich grinsend zu Landwirt Heintz um.
»Gibt es hier zur Begrüßung keinen Kaffee mehr? Ich hab vielleicht einen Durst.«
Der Landwirt flitzte sofort los.
»Wie immer schwarz?«
Schmidt winkte ab.
»Ein viertel Milch bitte. Mein Arzt ist der Meinung, dass das Koffein noch mal mein Tod sein wird, und meine Frau passt nun genau auf mich auf. Aber der Kommissar trinkt schwarz wie die Seele des Teufels.«
Der Inspektor holte Notizblock und Kugelschreiber hervor. Der Kommissar konnte endlich mit der Befragung beginnen.
»Na gut, meine Herren. Was ist hier vorgefallen?«
Vor ihm standen Hofknecht Manfred und Eckart, der Fahrer des Milchlasters.
»Naja.«, begann Eckart.
»Wir sind uns nicht sicher, Herr Kommissar. Es ging alles so schnell.«
Zimmermann drehte sich zu Schmidt um, der noch keine einzigen Buchstaben geschrieben hatte.
»Was denn, was denn? Jetzt geht die Arbeit los. Also fangen sie an zu schreiben. Sie sind doch sonst immer so fleißig.«
Schmidt zuckte zusammen, fuhr sich schnell mit der linken Hand durch sein Haar und begann, sich Notizen zu machen.
Der Kommissar umrundete währenddessen den Milchlaster, um sich ein Bild der Lage zu machen. Dann stand er auch schon der Leiche.
»Das ist nicht ihr Ernst.«
Er drehte sich zu Schmidt um und warf ihm einen grimmigen Blick zu. Schmidt hingegen zuckte mit den Schultern und antwortete mit einem verschmitzen Grinsen.
»Na gut.«, seufzte Zimmermann und bückte sich gequält neben das Opfer.
»Augenscheinlich vom LKW überrollt. Sie liegt sogar noch halb unter dem Reifen. Das ist kein schöner Anblick.«
Schmidt war dem Chef gefolgt. Als er das Ausmaß vor sich sah, drehte sich alles in ihm. Sein Magen rebellierte und er war kurz davor, sich übergeben zu müssen. Er hatte zwar im Voraus gewusst, was ihn erwartete, trotzdem konnte er sich einfach nicht an einen solchen Anblick gewöhnen.
»Noch nie eine Blutlache gesehen? Sie haben wohl den falschen Beruf gewählt.«
Zimmermann lachte laut.
»Die jungen Leute sind einfach nichts mehr gewohnt. Schauen sich ständig brutale Filme an, aber wenn es auf einmal real wird, klappen sie zusammen. Ist nicht der erste Tatort mit einer Leiche. Gewöhnen sie sich endlich mal dran.«
In diesem Moment kam Landwirt Heintz zurück, drückte den beiden Beamten den Kaffee in die Hand und nahm sofort etwas Abstand vom Tatort, um die Spuren nicht zu verwischen.
»So, wie schaut der Fall aus? Irgendwelche Vermutungen?«
Zimmermann stellte die Frage an Schmidt, der sofort versuchte, eine Lösung zu finden.
»Ist für mich eindeutig. Das Opfer hat hier auf dem Hof gestanden oder hat ihn überquert und der Wagen hat es beim Zurücksetzen erwischt. Der Fahrer ist unser Täter.«
Der Kommissar seufzte und schüttelte den Kopf.
»Was haben sie eigentlich in den letzten Jahren bei mir gelernt? Sie sollten langsam wissen, dass man alle Fakten einbeziehen muss. Zeugen und vermeintliche Täter befragen. Das gehört  bei guter Polizeiarbeit einfach dazu.«
So hatte sich der Inspektor diesen Fall nicht vorgestellt. Er hatte damit gerechnet, dass der Kommissar sich auf Grund der Besonderheiten allein darum kümmern würde. Aber das war wohl falsch gedacht.
Schmidt wandte sich an die drei Männer.
»Dann erzählt mal.«
Was nun folgte, waren unzählige Schuldzuweisungen. Eckart beschwor die Ehre seiner Mutter, seiner Großmutter und seines verstorbenen Großvaters. Er bestand darauf, dass er nichts anderes getan hatte, wie jeden Tag. Er war langsam mit seinem LKW rückwärts auf den Hof gerollt, um dann die Milch in seine Tanks pumpen zu können. Die Anlagen des Fahrzeugs waren in bester Ordnung. Während des Betriebs im Rückwärtsgang war ein lautes Piepen ertönt.
Vom technischen Zustand des Fahrzeugs ließ sich Schmidt sogleich überzeugen. Es war wirklich alles in bester Ordnung.
»Aber er hat Meggy überfahren. Das ist doch eindeutig.«, warf nun der Knecht ein. »Kein anderer hat hinter dem Steuer gesessen.«
Der Inspektor warf ihm einen durchdringenden Blick zu.
»Dann erzähl mir doch mal, was du zur Tatzeit getan hast, Manfred.«
Der Knecht schluckte und musste seine Gedanken einen Moment lang sammeln.
»Ich war im Stall. Habe ausgemistet. Die Schweine haben seit gestern eine Menge Dreck gemacht. Ich hatte nicht einmal freie Sicht auf den Hof. Ich kann es also gar nicht gewesen sein.«
Der Kommissar forderte Schmidt mit einer Geste auf, weiter nach der Wahrheit zu bohren.
»Schon eine Vermutung?«
Der Inspektor zuckte mit den Schultern.
»Ich bin noch immer der Meinung, dass es der Fahrer des LKW war. Aber ich wette, dass sie noch immer nicht zufrieden sind.«
Zimmermann leerte seine Kaffee, drückte Schmidt die Tasse in die Hand und grinste breit.
»Vollkommen richtig. Sie lernen schnell.«
Dann befragte er den Landwirt, der ebenfalls etwas zu berichten wusste.
»Ich habe Eckart die Zufahrt zum Hof geöffnet. Das mache ich jeden Morgen. Dann gehe ich rein und koche für uns eine Kanne Kaffee, damit wir anschließend noch ein Schwätzchen halten können. Ich war also im Haus als es passierte.«
Schmidt fuhr sich wieder durchs Haar und nuschelte vor sich hin.
»Das passt doch alles zusammen. Ich weiß nicht, warum wir da überhaupt noch diskutieren müssen.«
»Weil der wahre Täter noch nicht überführt ist.«, gab Zimmermann die Antwort, betastete vorsichtig die Leiche mit einem Kugelschreiber ab und untersuchte sämtliche Wunden.
»Schau an, was ist denn das?«
Er winkte die anderen Männer zu sich und zeigte ihnen, was er entdeckt hatte.
»Das sind Bissspuren. Wie es aussieht, war Meggy schon tot, als sie vom Reifen erfasst wurde. Jetzt müssen wir nur noch heraus finden, wer Eckart diesen schändlichen Mord in die Schuhe schieben wollte.«
Er drehte sich im Kreis, besah sich den ganzen Hof, bis er schließlich entdeckte, wonach er suchte.
»Aha. Einfacher, als ich dachte.«
Mit schnellen Schritten ging er auf den entlarvten Täter zu. Es konnte nur Bruno gewesen sein. Zimmermann hockte sich vor dem schlafenden Hofhund nieder und besah sich dessen Lefzen.
»Da kleben noch Blut und Federn im Fell. Also wenn das kein Beweis ist.«
Landwirt Heintz kam herüber gerannt.
»Ach, Bruno. Aber warum denn gerade Meggy? Das schönste Huhn im ganzen Stall. Nächste Woche hätte sie garantiert den ersten Platz bei der Hühnerausstellung gewonnen.«
Der Kommissar richtete sich auf.
»Meine Herren. Sie sind entlastet. Sie können wieder an die Arbeit. Schadensersatz wird der Hofhund wohl nicht zahlen können. Der Fall ist für uns erledigt.«
Er tippte sich mit zwei Fingern an die Schläfe und ging gemächlich zum Dienstwagen, während sich Schmidt von seinen Kegelbrüdern verabschiedete.
»Ach ja. Das Leben auf dem Land ist einfach schön.«, murmelte Zimmermann vor sich hin. »Keine Aufregung, keine komplizierten Fälle. Ich kann mir gar nicht vorstellen, noch einmal nach Dortmund zurück zu gehen.«
Nun stieg auch der Inspektor ein und klemmte sich hinter das Steuer. Er startete den Wagen und fuhr zurück zum Revier.
»Den nächsten Fall lösen sie.«, forderte der Kommissar seine rechte Hand auf.
Schmidt seufzte, wusste aber, dass sich der Kommissar diese Aufgabe auch in Zukunft nicht würde nehmen lassen.

(c) 2016, Marco Wittler

6 Comments

  • Katharina sagt:

    Wow, habe gerade erst gesehen, wie viele Projekte Du hast. Kreativität und Ideen ohne Ende! Werde ich mal ein bißchen stöbern – genau richtig für graue Herbsttage.
    Viele Grüße
    Katharina

    • Marco sagt:

      Hallo Katharina.

      Manchmal denke ich mir, dass ich einfach zu viele Projekte habe. Wortjongleure, Gute Nacht Geschichten, Minutengeschichten, Kinder Science Fiction Heftromane. Dazu dann noch ganz andere Hobbys wie Zauberei, Luftballonmodellage, Feuershows. Ich weiß manchmal gar nicht, was ich als erstes machen soll.
      Aber trotzdem brauche ich einfach diese Abwechslung. Wenn ich zu lange nur am gleichen Projekt schreibe, gehen mir die Einfälle aus. Das endet dann in mehrmonatigen Schreibblockaden. Das habe ich schon ein paar Mal erlebt. Deswegen schreibe ich an möglichst verschiedenen Dingen, damit der Kopf frei bleibt.

      Lieben Gruß,
      der Marco

  • Jana sagt:

    Hi Marco,

    ich bin ebenfalls baff (im positiven Sinne) und begeistert über Deine kreative Vielfalt.

    Hast Du schon einmal darüber nachgedacht, Deine Geschichten in einem eBook zu vereinen und zu verkaufen oder gar einen eigenen Krimi zu schreiben?

    Fussige Grüsse, Jana

    • Marco sagt:

      Hallo Jana.
      Eigene Bücher waren schon immer mein absoluter Traum. Zumindest gibt es eine meijer Geschichtennals dreisprachiges Kinderbuch auf dem luxemburger Buchmarkt. Das ist schonmal,was.
      Ansonsten hab ich noch einen Blog „Commander Finn und seine verwegene Crew„. Dort gibt es monatlich ein neues E-Book, was michcwirklich sehr viel Zeit kostet. Am aktuell fünften Band arbeite ich gerade fieberhaft, da ich am 31.10. fertig sein muss.
      Und dann gibt es nich im Hauptblog ein Buch im Selfpublishing mit 31 Weltraumgeschichten, was ich bei Amazon stehen habe. Aber mir fehkt einfach die Zeit, dafür ordentlich Werbung zu machen.
      Aktuell plane ich noch, sobald der nächste, der 30., Regiomalkrimi fertig ist, diese dann in einer Anthologie zu veröffentlichen. Vielleicht kommt danach irgendwann mal ein längerer Krimi.,aber bisher fehlt mir da einfach noch die Erfahrung. Bei Romanen bin ich einfach besser, wenn ich für Kinder oder Fantasy schreibe. Im Fantasybereich hab ich nich fünf Romane, die derzeit nur auf meiner Festplatte verstauben und überarbeitet werden wollen.

      Lieben Gruß,
      Der Marco

  • Michaela sagt:

    Haha, Marco, sooo genial. Die ganze Zeit habe ich mir gedacht, was kommt da, ich hätte anfangs eigentlich auf eine Kuh als Opfer getippt, aber zum Ende kamen die Zweifel 😉 Sehr viel Respekt für deine Kreativität und was du alles zusammenbringst! 🙂 Liebe Grüße, Michaela

    • Marco sagt:

      Danke Michaela.
      Ich frage mich das auch immer, wenn ich an einem neuen Krimi schreibe. Ich fange immer einfach an. Was genau passiert ist, wer es war, weiß ich dann selbst noch nicht. Das imm erst mit der Zeit. Da überrasche ich mich immer selbst.

      Lieben Gruß, der Marco

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