Zimmermann ermittelt (37) – Ich sehe dich [Regional-Krimi]

Posted by Marco on 6. Mai 2018as , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Ich sehe dich

Kommissar Zimmermann saß in seinem Büro hinter seinem Schreibtisch und schob ununterbrochen seine leere Kaffeetasse von der einen zur anderen Seite. Dieses tat er nicht seit gerade eben oder ein paar Minuten, sondern schon den ganzen Tag. Am frühen Morgen war er herein gekommen, hatte sich grußlos in seinen Sessel fallen lassen und direkt mit seiner jetzigen Tätigkeit begonnen. Untermalt wurde das Ganze nur von einigen Geräuschen, die man sonst nur aus den Kinderzimmern kleiner Jungs her kannte.
»Hup, huuup! Brumm! Weg da! Aus dem Weg! Ich bin im Einsatz! Tatü Tata! Hup, huuup!«
Zwischendurch hielt Zimmermann immer mal wieder für einen Augenblick kurz inne, wurde still, ließ die Tasse stehen und kommentierte die Szene schließlich mit einem geflüsterten »Tropf, tropf, tropf, …« Danach verfiel er wieder dem anderen Spiel.
So ging das nun schon seit drei Stunden. Hatte er vielleicht den Verstand verloren? Hatte ihn die Arbeit mit Mördern, Dieben und Verbrechern nun doch zu einem gebrochenen Mann gemacht? Die Antwort wusste, wenn überhaupt, nur er selbst.
Inspektor Schmidt, der auf der anderen Seite des Raumes saß, schlug immer wieder seine Hände vor das Gesicht und rieb es sich angespannt. Er arbeitete seit mehreren Tagen den angefallenen Schriftkram auf, konnte sich aber nicht richtig darauf konzentrieren. Jeder Versuch, den Kommissar zu bitten, nicht mehr zu stören, waren sofort im Keim erstickt oder ganz einfach ignoriert worden. Es blieb ihm nichts anderes übrig, gute Miene zum bösen Spiel zu machen und auf eine Besserung der Gesamtsituation zu hoffen.
Irgendwann, es war kurz vor der Mittagszeit, kam ein Mann in einem blauen Overall herein.
»Ich habe das Ersatzteil tatsächlich noch bekommen.«, strahlte er stolz über das ganze Gesicht. »Ich hätte nicht gedacht, dass ich für so ein altes Schätzchen überhaupt noch etwas finden würde. Warum haben sie sich nicht einfach eine neue Kaffeemaschine gekauft? Das wäre sie auf jeden Fall billiger gekommen.«
Schmidt sprang erschrocken auf,zischte laut und hielt sich den erhobenen Zeigefinger vor die Lippen. Aber es war bereits zu spät. Zimmermann unterbrach sein Spiel mit der Tasse, sah auf und bekam einen äußerst ungesunde Rotfärbung im Gesicht.
»WAS?«, brüllte er so laut durch das Büro, dass man ihn noch ein Stockwerk tiefer in der Wache gut verstehen konnte. »Sie wollen mir tatsächlich eine neue Kaffeemaschine aufschwatzen? Sind sie noch ganz bei Trost? Die habe ich damals bekommen, als ich mein erstes Kommissariat in Dortmund übernommen habe. Das ist gerade mal 25 Jahre her. Die Maschine ist also so gut wie neu. Die wird auf keinen Fall ausgetauscht. außerdem hat sich gerade erst vor ein paar Monaten den richtigen Grad an Koffeinablagerungen erreicht, die das Gebräu erst gut schmecken lassen. Bevor ich diese Maschine austauschen und entsorgen lasse, werde ich eher zum Mörder. Und jetzt reparieren sie mein Schätzchen endlich. Mein Blutkoffeinspiegel sinkt bereits beträchtlich. Ich brauche Kaffee, sonst funktioniert meine Maschine nicht richtig.«
Er tippte sich ein paar Mal mit dem Finger an die Schläfe und widmete sich dann wieder seinem Tassenspiel, als wäre nichts geschehen.
Schmidt sah den Techniker an und seufzte. »Hören sie lieber auf den Mann. Wenn er keinen Kaffee getrunken hat, ist er unberechenbar. So manche Leiche liegt bereits auf dem Weg hinter ihm.«
Der Techniker schluckte schwer, nickte nervös und baute wortlos das Ersatzteil ein. Wenige Minuten später packte er seine Werkzeuge zusammen und verschwand schnellen Schrittes aus dem Büro.
Schmidt kratzte sich am Kopf und sah dem Verängstigten verwirrt nach. »Ist ja seltsam. Er hat nicht mal eine Rechnung geschrieben. Verstehen sie das?«
Zimmermann ignorierte die Frage. Stattdessen nahm er seine Tasse hoch und wedelte mit ihr in der Luft.
»Kaffee, aber zackig. Und richtig schwarz sollte er sein, so schwarz wie Vantablack, damit wir uns richtig verstehen.«
»Vantablack? Was soll das sein?«
»Vantablack ist das schwärzeste Schwarz der Welt. Es absorbiert 99,965% des auftreffenden Lichts. Dunkler geht’s nicht mehr. Sowas weiß man doch. Stellen sie sich nicht dümmer, als sie sind.«
Schmidt seufzte. Er hatte schon oft von seinem direkten Vorgesetzten Übertreibungen im Bezug auf Kaffee gehört, aber das schlug alles. Er verkniff sich jeden weiteren Kommentar und setzte den ersten Kaffee des Tages auf. Ein paar Minuten später dampfte es aus den Tassen auf den Schreibtischen und die Laune des Kommissars hatte sich erheblich verbessert.
Just in diesem Moment klingelte das Telefon an Zimmermanns Platz. Ohne den Hörer abzunehmen, stand er auf, ging zum Fenster, öffnete es und genoss die kalte, frische Winterluft.
»Das Telefon klingelt.«, raunzte er beiläufig und würdigte den Inspektor keines einzigen Blickes.
Schmidt seufzte, stand auf, umrundete zuerst seinen, dann den Schreibtisch des Kommissars und nahm den Hörer zur Hand.
»Warum muss ich das eigentlich immer machen? Ich verstehe das nicht.«
Zimmermann grinste breit und nahm einen großen Schluck Kaffee.
»Weil ich hier der Kommissar bin und sie nur der Inspektor. Seien sie froh, dass ich sie nicht ständig den Wagen vorfahren lasse. Ich hab mal gehört, dass ein Kollege das so macht.«
»Aber auch nur, weil unser Dienstfahrzeug eh immer direkt vor der Tür steht.«
»Wollen sie mit mir streiten oder nehmen sie jetzt endlich den Anruf entgegen?«
Schmidt starrte überrascht den Hörer in seiner Hand an. »Was?« Das Telefonat hatte er mittlerweile schon vergessen. »Ach so. Ja. Natürlich.«
Er wollte sich kurz setzen, spürte dann aber sofort den strengen Blick Zimmermanns in seinem Rücken und blieb lieber stehen.
»Kriminalpolizei Hemer, Büro von Kommissar Zimmermann, Inspektor Schmidt am Apparat.«
Er schnappte sich seinen Notizblock und schrieb ein paar Informationen mit.
»Hm … ja … verstehe … hm … ja. In Ordnung. Wir machen uns gleich auf den Weg … Ich denke, in zehn Minuten. Bis gleich.«
Schmidt drehte sich zu Zimmermann um. »Wir werden gebraucht. Es gibt Arbeit für uns.«
Der Kommissar seufzte zufrieden und nahm noch einen Schluck aus seiner Tasse, bevor er seinen Blick vom Fenster löste.
»Der Tag wird von Minute zu Minute besser. Worum geht’s?«
Schmidt sah wieder auf seinen Notizblock herab und ratterte die eben erfahrenen Fakten runter.
»Es gab einen Leichenfund.«
»Das ist ja mal etwas ganz Neues. Als hätten wir noch nie mit einem Toten zu tun gehabt. Gibt es denn keine wirklichen Herausforderungen mehr für ein unterfordertes Kriminalgenie?«
Der Inspektor wollte schon mit einem bissigen Kommentar antworten, erinnerte sich dann aber an das zurück liegende Jahr. Sie hatten gemeinsam und auch allein verdammt harte Fälle durchgestanden. Dabei waren sie immer wieder bis an die Grenzen der Belastbarkeit und teilweise auch darüber hinaus gegangen oder getrieben worden. Zuletzt hatte Zimmermann sogar in seinem Urlaub an einem Fall gearbeitet. Es war irgendwie nie wirklich Raum für Entspannung und Abstand von der Arbeit gewesen. Da war ein kleiner Sarkasmus leicht zu verschmerzen.
»Es ist nicht ganz der übliche ›Trott‹, den sie jetzt vielleicht erwarten. Vielleicht kann ich sie heute doch noch mit einer überraschenden Wendung aus der Reserve locken.«
Zimmermann schüttelte den Kopf. »Ich glaube nicht. Ich habe in meiner Karriere wirklich schon alles erlebt und in jeder Richtung ermittelt. Glauben sie mir, mich überrascht niemand mehr. Ich sollte langsam mal über meinen Ruhestand nachdenken.
Vielleicht finde ich die fehlende Erfüllung im Züchten von seltenen Rosen. Oder ich nutze meine reichlichen Erfahrungen und fange an, Krimis zu schreiben.Keinen Tatort oder sowas. Einfache Regionalkrimis über einen alten, mürrischen Kommissar aus einem verschlafenen Provinznest und seinem zu Allem bereiten Assistenten. Das hätte doch was.«
Schmidt grinste. »Liest doch eh niemand. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man damit großen Erfolg hat.«
»Woran misst sich denn der wahre Erfolg? Müssen es denn immer die Verkaufszahlen oder Einnahmen sein? Mir würde es schon reichen, wenn meine Werke in einer Dorfzeitung abgedruckt würden.«
Der Inspektor schmunzelte. »Zimmermann ermittelt – Hemeraner Kurzkrimis. Sowas in der Art? Ich wünsche ihnen dafür auf jeden Fall viel Glück. Aber bis es so weit ist, wartet die Arbeit auf uns.«
Er klopfte mit dem Zeigefinger auf seinen Notizblock. »Womit wir wieder beim eigentlichen Thema wären. Die Herausforderung des Tages: Unsere Kollegen haben eine Mumie gefunden.«
Zimmermann stellte seine Tasse ab. »Eine Mumie? Verdammt. Jetzt haben sie mich doch erwischt. Ach, Hemer. Du verschlafene, kleine Stadt. Du schaffst es immer wieder, mich zu überraschen.«

»Wo befinden wir uns eigentlich? In dieser Gegend bin ich bisher noch nie gewesen. Leben hier überhaupt Menschen?“
Sie fuhren mit dem Dienstwagen über Land. Sie hatten bereits die Innenstadt, das Stephanopeler Tal und Ispei hinter sich gelassen. Nun gab es links und rechts der schmalen Straße nicht mehr viel außer Wald und Wiesen.
»Hier soll eine Leiche gefunden worden sein? Eine Mumie? Schmidt, sind sie sich da wirklich sicher? Mumien brauchen trockenes Klima. Hier draußen ist es viel zu feucht für eine dauerhafte Konservierung.«
»Wir befinden uns hier in Heidermühle. Auch wenn es sehr einsam aussieht, hier leben Menschen. Es gibt vereinzelte Wohnhäuser, ein Altenwohnheim und alte Bauernhäuser.«
Zimmermann rümpfte die Nase. »Sie wollen mir doch nicht
weiß machen, dass sich Menschen in dieser Einsamkeit wohl fühlen. Hier gibt es doch nichts. Keinen Supermarkt, keine Kneipe. Wahrscheinlich kennt man hier nicht mal Fernsehen, Internet und fließend Wasser.«
Schmidt lächelte. »Das Leben auf dem Land ist gar nicht schlecht. Ich bin auch auf einem Althof aufgewachsen. Man hat saubere Luft keinen Stadtlärm, der Nachthimmel ist mit Sternen überfrachtet weil es hier viel weniger Lichtquellen gibt. Außerdem lebt es sich hier so richtig entschleunigt. Man kann sich auf sich und sein Leben konzentrieren, auf das was einem wirklich wichtig ist. Der perfekte Ort, um sich seine Träume zu erfüllen oder auch exzentrisch zu sein. Hier fällt man nur den wenigen Nachbarn auf, wenn man etwas anders ist, aber es zerreißt sich nicht gleich die ganze Stadt das Maul über einen. Diese abgelegene Gegend hat also durchaus ihre Vorteile.«
Zimmermann hielt sich mit weiteren Kommentaren zurück. Ihn interessierte nun Vordergründig der neue Fall, denn in diesem Augenblick bogen sie auf ein großes Grundstück ein, das von mehreren alten Bauernhäusern und Scheunen um-säumt war.
Die Kriminalisten stiegen aus und wurden augenblicklich von mehreren Polizisten empfangen, die mit der für sie unerwarteten Situation sichtlich überfordert waren. Leichen waren das eine, aber eine Mumie, die man sonst nur in Museen oder Horrorfilmen sah, regte sofort die Fantasie an.
»Was können sie uns berichten? Was haben sie bis jetzt in Erfahrung gebracht?«, kam Schmidt sofort zur Sache, um die Gedanken der Kollegen in die richtigen Bahnen zu lenken.
Kommissar Zimmermann beteiligte sich nicht aktiv an diesem Gespräch, wanderte stattdessen scheinbar desinteressiert über den Hof und sah sich um. Er sah sich und sammelte erste Eindrücke, achtete auf Kleinigkeiten, alles was ihm für die Lösung des Falls dienlich sein konnte. Außenstehende konnten schnell denken, dass er völlig abwesend war, sich nicht für den vorliegenden Fall interessierte. Aber das genaue Gegenteil war der Fall. Sein Körper war mit Koffein aufgeputscht, seine Denkmaschine arbeitete auf vollen Touren.
»Wachtmeister Lehmann. Ich war mit meinem Kollegen Wachtmeister Goldinger zuerst vor Ort. Die Besitzerin des Hofes hat per Gerichtsbescheid eine Räumungsklage gegen ihre Mieterin im Nachbarhaus erwirkt. Es hat seit Monaten keine Mietzahlungen und keinen persönlichen Kontakt mehr gegeben. Wir sollten nun den Schlüsseldienst und den Gerichtsvollzieher beim Betreten der Immobilie begleiten.«
Schmidt hatte bereits seinen Notizblock gezückt und schrieb fleißig alles mit.
»Sie können sich nicht vorstellen, wie grauenhaft dieser Fund für mich wahr«, mischte sich nun auch der Gerichtsvollzieher ein. »Wer rechnet denn damit, dass diese Frau seit Jahren einen Toten beherbergt? Ich schockiert, werde wohl über Wochen nicht mehr arbeiten können. Ohne psychologische Hilfe werde ich garantiert nicht mehr in ein normales Leben zurückfinden.«
»Jetzt übertreib mal nicht, Martin.«, entgegnete Lehmann. »Mich hat die Mumie auch durcheinander gebracht, aber am Ende ists nur Leiche. Du suchst doch schon seit Jahren nach einem Grund, in Frühpension gehen zu können. Vergiss es einfach ganz schnell wieder.«
Der Gerichtsvollzieher verzog beleidigt das Gesicht und packte seine Sachen zusammen. »Dann kann ich ja wohl jetzt nach Hause fahren. Ich werde noch an anderer Stelle gebraucht.«
Er rauschte ab und verließ in seinem Wagen den Hof. Dann setzte der Wachtmeister seinen Bericht fort.
»Im Innern des Hauses sieht es aus, wie in einem Hindutempel oder sowas. Ich kenne mich mit so einem Quatsch nicht aus.«
»Buddhismus!«, verbesserte Zimmermann. »Genauer gesagt wird es sich wohl um Tendai-shu oder Shingon-shu handeln, zwei alte japanischen Buddhismusschulrichtungen. Erkennt man an den Schriftzeichen an der Tür.«
Er grinste den verblüfften Schmidt an. »Die Großstadt hat auch Platz für Selbstverwirklicher und Esoteriker. Habe bei Ermittlungen halt das eine oder andere aufschnappt.«
»Jedenfalls hat die Frau ihr Haus mit einem Besenstiel gegen uns verteidigt. Wir konnten sie mühelos überwältigen und fanden dann im Obergeschoss eine halb eingemauerte Mumie.
Zimmermanns Blick erhellte sich. »Jetzt wird es interessant. Bringen sie uns rein. Ich will mir das ansehen.«

Kommissar Zimmermann ließ sich nicht zweimal bitten, das Haus zu betreten. Eine Mumie im Sauerland, wann hatte es das schon mal gegeben? Das war ein Fall ganz nach seinem Geschmack – mysteriös, geheimnisvoll, anders als das übliche Alltagsgeschäft der Kriminalpolizei.
Im Innern fanden sich die Ermittler in einer anderen Welt wieder. Man bekam das Gefühl, in eine andere Welt einzutauchen. Die Wände waren mit langen Tüchern behangen. Überall saßen Buddhastatuen. Es sah tatsächlich aus, wie in einem fernöstlichen Tempel.
In einer Ecke saß eine mit Handschellen gefesselte und in sich zusammen gesunkene Frau, die in einem gelborangen Stoff gekleidet war und leise vor sich hin brabbelte, als wäre sie in andere Sphären entrückt.
»Er wird mich finden. Er wird mich überall finden. Und dann bestraft er mich für meine Vergehen.«
Ständig und monoton wiederholte sie diese wenigen Worte, währen sie ihren Oberkörper vor und zurück wiegte.
»Wer wird sie finden?«
Zimmermann hatte sich vor sie gekniet, versuchte einen Blickkontakt aufzubauen, aber er wurde ignoriert, als wäre er nicht da.«
»Völlig apathisch. Da soll sich ein Psychologe drum kümmern.« Er wandte sich an Schmidt. »Und das möglichst schnell. Ich will wissen, was hier los ist. Diese Frau scheint wohl die Einzige zu sein, die weiß, was passiert ist.«
Der Kommissar sah sich um. Hinter einer der vielen Stoffbahnen entdeckte er ein halb verstecktes Loch in der Wand. Ein Teil der Steine war wohl schon vor längerer Zeit heraus gebrochen worden zu sein Zumindest lagen die Überreste nirgendwo herum. Alles war penibel sauber.
Er sah durch das Loch in das Innere einer wirklich sehr kleinen Kammer. Dort saß sie – die Mumie.
»Irre!«, flüsterte Zimmermann andächtig. »Jetzt bin ich schon so lange bei der Kriminalpolizei, aber so etwas Kurioses ist mir auch noch nicht untergekommen.«
Die Mumie saß zusammengekauert in der Kammer. Die Beine in einem Yogistil übereinander gekreuzt, die Arme darauf abgelegt. Gekleidet war sie in einem zeremoniellen Gewand. Von den Haaren war nicht mehr viel übrig, falls vor dem Tod überhaupt welche da gewesen waren. Die Haut war dunkelgrau bis schwarz verfärbt, der Körper so dünn, als hätte der Tote nichts zu essen bekommen und wäre verhungert.
»Ich habe meine Zweifel, dass hier unser Pathologe noch großartig etwas zu sagen kann. So eine starke Veränderung der Leiche habe ich auch noch nicht gesehen.«
»Vielleicht kann ich dann etwas helfen.«, war nun wieder Schmidt zur Stelle.
»Ich habe mal mit dem Handy im Internet nach ihren Stichworten von vorhin gesucht und Erstaunliches gefunden.«
»Stichwörter?« Zimmermann wusste nicht, worauf der Inspektor hinaus wollte.
»Tendai-shu und Shingon-shu.«
»Hm?« Zimmermann dachte kurz nach und zuckte mit den Schultern. »Keine Ahnung. Hab ich nur irgendwo mal aufgeschnappt. Ich weiß aber nicht, was es damit auf sich hat. Ich wollte einfach mal so tun, als wüsste ich mehr als sie.«
Er grinste kurz und lieblos, bevor er wieder ernst wurde. Dann warf er einen Blick auf Schmidts Handy. Dort war eine Seite in englischer Sprache aufgerufen. Das Bild der Mumien dort entsprach dem, was sie in dem alten Gemäuer vorgefunden hatten.
»Ich würde mal, sie haben mit ihrem Schuss ins Blaue voll ins Schwarze getroffen.« Der Inspektor klopfte dem Kommissar anerkennend auf die Schulter.
»So schwarz, wie der Vorgarten des Teufels.«, murmelte Zimmermann leise vor sich hin.

Ein paar Tage später saßen Zimmermann und Schmidt wieder im Büro und brüteten über den seltsamen Fall. Mittlerweile hatten sie einige Fakten dazu finden können.
»Der Pathologe hat mittlerweile bestätigt, dass es an der Mumie keine Hinweise auf Fremdeinwirkungen gibt. Keine Knochenbrüche, keine Hieb- und Stichverletzungen. Offenbar handelt es sich tatsächlich um einen rituellen Selbstmord nach dieser mittlerweile in Japan verbotenen buddhistischen Schule.«
Schmidt nahm ein paar Ausdrucke zur Hand und begann, den Verlauf der Mumifizierung nachzuzeichnen.
»In Japan sind zwanzig Fälle von Sokushinbutsu bekannt, den Anhängern des Shugendo. Sie beschreiten einen Weg über 3000 Tage voller Schmerzen und Selbstverleugnung bis in das erhoffte Nirvana, in dem sie ein Teil von Buddha selbst werden. Dabei mumifizieren sie sich selbst.
In den ersten 1000 Tagen ernähren sie sich nur noch von Nüssen und Samen aus der Umgebung und meditieren stundenlang unter eiskalten Wasserfällen. Währenddessen magern sie stark ab.
In den nächsten 1000 Tagen wird die Diät weiter verschärft. Sie nehmen dann nur noch Wurzeln und Rinden von Nadelbäumen zu sich. Sie magern dabei extrem ab und entwässern zusätzlich ihren Körper. Am Ende dieser zweiten Phase beginnen sie mit der Einnahme eines Tees aus dem Saft des Urushi-Baums, der normalerweise zum Lackierien von Holz genutzt wird. Das soll den Körper zu giftig für Maden und anderes Getier machen. Dazu kommt auch noch stark arsenhaltiges Quellwasser.
Die letzten 1000 Tage verbringt der Todgeweihte dann in dieser kleinen Kammer, in die er eingemauert wird. Dort sitzt er im Lotussitz und ist kaum noch in der Lage sich wegen der Enge zu bewegen. Nahrung nimmt er nun keine mehr zu sich. Luft bekommt er durch eine kleine Luftröhre. Täglich klingelt er mit einem kleinen Glöckchen, um der Außenwelt mitzuteilen, dass er noch lebt. Hört man nichts mehr von ihm, ist er verstorben. Anschließend setzt die Mumifizierung ein.
Nach Ablauf dieser letzten Phase wird die Wand von außen geöffnet, um nachzuschauen, ob der Tote tatsächlich zur Mumie geworden und damit in Buddha aufgegangen ist.«
Zimmermann atmete tief durch. »Verdammter Scheiß. So etwas Krasses habe ich noch nie gehört. Ein Selbstmord auf Raten und das über einen so langen Zeitraum hinweg. Das ist unglaublich. Hätte ich die Mumie nicht mit eigenen Augen gesehen, ich würde es nicht glauben.«
Er sah in seinen eigenen Aktenordner. »Und was ist mit der Zeugin? Die Frau des Toten wird diesen Prozess doch wohl die ganze Zeit über begleitet haben.«
»Aus der haben unsere Leute nichts heraus bekommen. Sie redet ununterbrochen die immer gleichen Worte. Sie befindet sich mittlerweile in der Psychiatrie. Man hofft, dass man sie mit Medikamenten wieder irgendwie halbwegs in die Spur zu bekommen. Ansonsten werden wir wohl keine weiteren Informationen mehr zum Fall bekommen.«
Schmidt seufzte, legte seine Unterlagen zur Seite und sah seinen Vorgesetzten entmutigt an.
»Dann ist der Fall wohl beendet.«, murmelte Zimmermann. »Ein Selbstmord unter Beihilfe der Ehefrau. Das ist nicht das, was ich denke, aber die Beweise sprechen eindeutig dafür. Verdammt nochmal.«

Kommissar Zimmermann saß in einem kleinen, rostigen Klappstuhl, der alles andere als gemütlich aussah. Er hatte die Beine ausgestreckt, übereinander geschlagen und genoss die warmen Sonnenstrahlen des überaus freundlichen Frühlings. Dem unbedarften Beobachter mochte es als ein harmonisches Bild vorkommen. Ruhe, Stille, Entspannung. Aber das war nur die Oberfläche. Darunter sah es ganz anders aus. Die Gedanken Zimmermanns umkreisten noch immer den letzten Fall.
Eine alte, vertrocknete Mumie, die in einer Hauswand eingemauert war. Eine ungewöhnliche Art und Weise, um aus dem Leben zu scheiden – vor allem, wenn es ein Selbstmord war. Aber ohne fremde Hilfe war das nicht machbar. Die Ehefrau musste geholfen haben. Aber warum war sie so apathisch? Warum erwartete sie, von einem Toten heimgesucht zu werden?
»Da passt was nicht. Irgendwie stinkt die Sache. Da muss noch mehr sein. Wir haben etwas Entscheidendes übersehen.«, murmelte der Kommissar immer wieder vor sich hin.
»Hallo Chef.«, hörte er plötzlich neben sich.
Er sah über den Rand seiner Sonnenbrille hinweg und entdeckte Inspektor Schmidt, der von einem zum anderen Ohr grinste.
»Ich konnte es nicht glauben, als es mir die Kollegen erzählt haben. Aber sie sitzen tatsächlich vor mir.«
Schmidt sah sich um. Der kleine Platz an der Hönnetalstraße war voll. Hier waren über fünfzehn Wohnmobile geparkt. Eines davon gehörte dem Kommissar.
Zimmermann lächelte verlegen, als er über eine Erklärung nachdachte.
»Ich habe mich schon lange gefragt, was an diesem Platz so besonders ist. Warum stehen hier Woche für Woche so viele Wohnmobile? Warum kommen sie vor allem aus der näheren Umgebung und verbringen ihre Zeit an einer stark befahrenen Straße?«
Er wies mit der Hand hinter sich. »Also hab ich mir vor ein paar Tagen ein eigenes Wohnmobil gekauft und habe es mir hier gemütlich gemacht.«
»Und warum ist es hier so voll? Was haben sie herausgefunden?«
Zimmermann zuckte mit den Schultern. »Keine Ahnung. Ich habe nicht nachgefragt. Ich sitze hier, entspanne mich und schalte mal ab.«
Schmidt verzog zweifelnd das Gesicht.
»Abschalten? Sie? Glaube ich nicht. Ich bin mir sicher, dass sie sich mit irgendeinem Fall beschäftigen.«
Zimmermann seufzte laut. »Sie haben mich durchschaut. Ich komme einfach nicht vom Mumienfall los. Ich bin mir nicht sicher, dass das schon alles gewesen ist. Einfach Selbstmord und fertig? Nein. Wir haben da irgendwas übersehen. Da muss noch mehr sein. Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir mehr finden, wenn wir nur eine Chance finden, um unter er Oberfläche zu kratzen. Ich weiß nur leider nicht mal ansatzweise, wo wir beginnen sollten.«
Während sie miteinander sprachen, diskutierten und noch einmal die Fakten durchgingen, versammelten sich immer mehr Besucher des Campingplatzes an einem der Fahrzeuge. Es entwickelte sich eine kleine, aber auffällige Menschentraube, die sich in heller Aufregung befand. Es dauerte ein paar Minuten, bis Zimmermann darauf aufmerksam wurde.
»Was ist denn da los? Was geht da vor sich?«
Die zwei Kriminologen erhoben sich von ihren Stühlen und schlenderten den anderen Leuten nach. Schnell erkannten sie, dass alles Augen auf ein Tablet gerichtet waren.
»Ich sags euch, dass ist die beste Independent Produktion, die ich in den letzten Jahren gesehen habe. Dagegen ist der Fitzek nur ein billiger Abklatsch. Es sieht alles aus, als wäre es echt.«, erklärte der Mann, um den sich alles drängte.
»Ich schaue da schon lange zu. Ist so eine Art Langzeitthriller.«
»Das ist doch keine Produktion,das ist ne Webcam. Das ist echt.«
Die Meinungen gingen völlig auseinander. Es wurde viel diskutiert. Auf einen gemeinsamen Nenner kam man aber nicht. Dafür fiel es aber Zimmermann und Schmidt umso schwerer, sich nach vor vorzukämpfen, um ebenfalls einen Blick auf das präsentierte Video zu bekommen.
»Wenn ich bloß wüsste, wo das ist. Ich würd gern mal da hin, um live bei den Dreharbeiten dabei zu sein.«
»Da wird doch der Hund in der Pfanne verrückt.«, war der Kommissar schließlich überrascht. »Das ist unser Fall.«
Ohne weiter zu zögern, zog er seine Dienstmarke aus der Hosentasche und hielt sie in die Höhe.
»Okay, der Kinonachmittag ist jetzt offiziell beendet. Begeben sie sich alle zu ihren Fahrzeugen und genießen sie den Rest des schönen Tages.«
Er sah dem Besitzer des Tablets er in die Augen. »Und sie kommen mit mir. Wir haben etwas zu besprechen.«

Wenige Minuten später saßen sie zu dritt m Wohnmobil des Kommissars um den kleinen Tisch herum.
»Schmidt, sie kümmern sich als erstes um Kaffee.«
Schmidt nickte, trat zur Küchenzeile rüber und wunderte sich. »Ist das etwa die Maschine aus unserem Büro?«
»Ist nur geborgt. Macht halt den besten Kaffee. Und genau den brauche ich jetzt.« Er tippte sich mit dem Zeigefinger an die Schläfe. »Meine Maschine raucht Sprit, damit sie richtig funktioniert und auf Touren kommt. Also kochen sie mir einen schönen starken, schwarzen Kaffee so schwarz wie der Kackhaufen, in den ich heute Morgen getreten bin.«
»Schwarzer Kackhaufen?«, wunderte sich Schmidt. »Sind Kackhaufen nicht normalerweise braun?«
»Nein, der war schwarz, so schwarz wie ein ordentlicher Kaffee, den sie schon längst fertig haben könnten.«
Er wandte sich seinem Gast zu und ließ sich zunächst mehr über die gesehen Videos erklären.
»Ich sehe da schon seit mehreren Jahren zu.Ist ein absoluter Geheimtipp im Netz für Leute, die das Besondere suchen, die sich nicht mehr vom Einheitsbrei der Fernsehsender berieseln lassen wollen. Das hier ist richtig revolutionär. Das wird die Zukunft der Unterhaltungsbranche sein.«
»Und was haben sie bisher auf diesem Kanal gesehen?«
Der Mann zögerte. Es schien ihm mittlerweile zu dämmern, dass er sich allabendlich etwas ansah, dass nicht moralisch und womöglich nicht legal war.
»Sie müssen mir glauben, dass ich mir keine Gedanken gemacht habe, ob ich was Verbotenes mache. Es steht nichts dabei Keine Warnhinweise oder so.«
»Geschenkt. Interessiert mich nicht. Ich will mehr über die Videos wissen.«
Der Camper nickte. »Der ganze Hof ist mit Kameras ausgestattet, teils draußen, teils in den Gebäuden. Man ist bei den wichtigsten Ereignissen dabei. Und alles andere kann man sich in einer Mediathek anschauen. Das Beste ist aber ein externes Forum. Dort kann man sich mit anderen Fans austauschen. Vor allem diskutieren wir, wo sich der Hof befindet. Ich vermute ja, dass das irgendwo in Sachsen ist. Schön abgelegen. Aber sicher ist sich niemand.«
Er berichtete noch eine ganze Weile über die Videos der letzten Jahre. Es hatte mit der Einrichtung des privaten , buddhistischen Tempels angefangen, den weiteren Ausbau bis hin zum martialischen Selbstmord des Mannes der zur Mumie geworden war.
»Das Beste war die Kamera in der Wand. Ich war live dabei, als der Todeskampf in die entscheidende Runde ging.Die Schmerzensschreie, das Betteln um Gnade, der Niedergang, die letzten Atemzüge. Es war unglaublich. Der Schauspieler war irre gut. Ich hätte es fast für echt gehalten. Der ist reif für den Oscar. Und dann die verzweifelte Ehefrau, die ihrem Mann bei der Mumifizierung hilflos zuschauen musste. Köstlich. Hätte fast mit ihr um die Wette geheult. Noch spannender war dann die Zeit, er sie die Stimme des Toten gehört hat. Das war so ein mentaler Druck. Besser als jeder Roman von Stephen King.
Ach, und als die Polizei dann kam und unverrichteter Dinge wieder abzog. Zu gut. Ich hab mich über den Kommissar echt kaputt gelacht. Was für eine tragische Figur.«
Er schien kurz nachzudenken und sah Zimmermann verdutzt an. »Wissen sie, irgendwie kommen sie mir ja bekannt vor. Ich habe sie schon mal irgendwo gesehen. Ich komme nur grad nicht drauf.«
Zimmermann lächelte gequält, nahm den letzten Schluck Kaffee aus seiner Tasse und bedankte sich für die ausführlichen Beschreibungen und verabschiedete den Mann. Dann wandte er sich wieder an Schmidt.
»Ich habe ihnen gleich gesagt, dass da mehr hinter steckt, als wir zunächst dachten. Wir sollten uns der Sache wieder annehmen. Sichern sie bis dahin so viele Videos wie möglich. Die Staatsanwaltschaft wird sich freuen.«

Am nächsten Tag waren sie wieder auf dem Weg nach Heidermühle. An vorderster Font befand sich der Dienstwagen von Zimmermann und Schmidt. Im Abstand von zehn Minuten folgten ihnen mehrere Streifenwagen, die bis auf den letzten Sitzplatz mit Beamten besetzt waren.
»Wir sind nur die Speerspitze.«, erklärte der Kommissar ein weiteres Mal. »Wir überraschen die Hofbesitzer mit dem Durchsuchungsbefehl, werden sie mit den Vorwürfen konfrontieren und werden eine erste Sichtung der Umgebung vornehmen.«
Er nahm den Bauplan der Hofgebäude aus der Tasche und betrachtete noch einmal die vermutlichen Standorte der Kameras, die Schmidt in der Nacht eingezeichnet hatte.
»Das wird eine Menge Arbeit. Wie gut, dass wir das nicht allein machen müssen.«
Sie erreichten den Hof und hielten vor dem Hof der Besitzer. Das dort lebende Ehepaar kam nur Sekunden später vor die Tür.
»Frau Reinders, sie sehen nicht gut aus. Liegt ihnen etwas auf der Leber, dass sie nicht gut schlafen lässt?«, fiel Zimmermann gleich mit der Tür ins Haus.
Frau Reinders seufzte. »Können sie sich das nicht denken? Wir leben hier auf dem ruhigen Land. Und dann wird hier so eine grauenhafte Leiche gefunden. Wen würde das nicht mental aus der Bahn werfen? Ich muss das erstmal verarbeiten.«
»Nun ja, ihr Mann scheint das Ganze besser weggesteckt zu haben. Anders könnte ich mir sein Grinsen auch nicht erklären.«
Das Grinsen seines Gegenübers erstarb augenblicklich und wich einem bitterbösen Blick.
»Was wollen sie damit andeuten? Wollen sie mir irgendwas in die Schuhe schieben? Sie und ihre Leute haben doch schon festgestellt, dass der Verrückte Selbstmord begangen hat. Was soll ich denn damit zu tun haben? Sie verschwenden hier nur ihre und auch unsere Zeit.«
Zimmermann lächelte. »Das wird sich noch zeigen, was hier verschwendet wird.«
Er drehte sich langsam im Kreis. Einmal – zweimal.
»Darf ich mal?«
Er schob Reinders sanft zur Seite und griff gezielt unter den Briefkasten. Er holte eine geschickt angebrachte Miniaturkamera zum Vorschein.
»Ich glaube, wir sind nicht umsonst gekommen.«
Reinders wurde rot im Gesicht. Wut kochte in ihm hoch.
»Lassen sie gefälligst ihre Finger bei sich. Sie haben überhaupt kein Recht hier …«
Weiter kam er nicht. Der Kommissar hielt ihm den Durchsuchungsbefehl unter die Nase.
»Hier! Hat der Richter heute Morgen frisch unterschrieben. Wir dürfen also alles, was wir uns vorstellen können. Sollten sie uns dabei stören, sollten sie versuchen Beweise zu verstecken oder zu vernichten, werden wir sie in Verwahrung nehmen. Meine Kollegen werden gleich da sein und sich darum kümmern.«
Als wäre es geplant gewesen, bogen nun drei Streifen wagen auf den Hof und entließen fünfzehn uniformierte Männer und Frauen.
»Seht euch überall genau um. Ihr kennt in etwa die Stellen, die wichtig sind.«, ordnete Zimmermann an. »Anschließend nehmt ihr alles andere unter die Lupe.«
Er warf einen Blick auf seinen leeren Kaffeebecher. »Und wer hat mir einen neuen Kaffee mitgebracht?«
Er bekam neuen Hirnsprit überreicht. Dann wandte er sich wieder an die Reinders.
»Sie können mit uns zusammenarbeiten und die Sache beschleunigen. Sowohl der Richter als auch der Staatsanwalt werden das wohlwollend berücksichtigen. Sie können sich aber auch still in die Ecke setzen.«
»Sie haben nichts in der Hand.«, ätzte Reinders zurück.
»Was hat das alles zu bedeuten?«, wollte nun seine Frau wissen. »Warum sind die alle hier?«
»Nichts. Gar nichts. Die Bullen haben nur viel zu viel Langeweile. Statt sich um Verbrecher zu kümmern, nerven sie unbescholtene Bürger, die nichts getan haben.«

Die Ermittlungen förderten einiges zu Tage. Insgesamt würden fünfzig versteckte Kameras gefunden, die teilweise über Kabel, teilweise über W-LAN angebunden waren. Der dazu passende Computer war auch schnell gefunden. Er stand in einer versteckten Ecke auf einem alten Heuboden.
»Mit Passwörtern gesichert.«, grummelte Zimmermann. »Da sollen die Experten ran.«
Er suchte ein weiteres Mal seinen Hauptverdächtigen auf. »Sie wollen sich noch immer nicht dazu äußern?«
Reinders schüttelte den Kopf. »Von mir erfahren sie nichts.«
Zimmermann verzog grimmig das Gesicht. »Sie sitzen eh schon ganz tief in der Scheiße. Diese Totalüberwachung bringt sie in den Knast.«
Reinders zuckte nur die Schultern. »Und? Mit diesem verrückten Mumienfreak habe ich trotzdem nichts zu tun. Ich hab nur dafür gesorgt, dass sich Leute das alles im Internet anschauen können und dadurch etwas Geld nebenher verdient.«
»Sehr gut.«, freute sich der Kommissar. »Dann kommt also auch noch Steuerhinterziehung auf ihr Konto. Davon wussten wir tatsächlich bis jetzt noch nichts.«
Reinders biss sich auf die Zunge. Er hatte eigentlich nicht vorgehabt, sich selbst weiter in die Sache reinzureiten.
»Ich habe den Sensationslustigen nur gegeben, was sie wollten.«
In diesem Moment betrat Schmidt den Raum. »Ich glaube, ich habe was gefunden.«
In seinen Händen hielt er einen Stapel Bücher., deren Titel er nach und nach vorlas.
»Mumien der Weltgeschichte, Mumien im Buddhismus, Beherrschung und Manipulation von Menschen. Es sind noch mehr Titel da. Es sieht ganz danach aus, als hätte er das alles eingestielt. Zusätzlich haben die Kollegen im Tempel kleine Lautsprecher und hier im Haus ein Funkmikrofon gefunden.«
Reinders seufzte, ließ die starken Schultern hängen. Er sackte in sich zusammen.
»Sie haben den Mann dazu verleitet, Buddhist zu werden.«, begann Zimmermann zu kombinieren.« Sie haben ihn massiv manipuliert, ihn dazu gebracht, sein Seelenheil in der Mumifizierung zu suchen. Se sind dafür verantwortlich, dass seine Frau ständig Stimmen hörte, sich von ihrem toten Mann beobachtet und verfolgt fühlte. Sie stecken hinter der ganzen Scheiße.«
Reinders nickte wortlos und ließ den Kopf hängen.
»Die einzige Frage ist nur, warum das alles?«
»Weil sie mich verschmäht hat. Sie wollte ni

Kommissar Zimmermann saß in einem kleinen, rostigen Klappstuhl, der alles andere als gemütlich aussah. Er hatte die Beine ausgestreckt, übereinander geschlagen und genoss die warmen Sonnenstrahlen des überaus freundlichen Frühlings. Dem unbedarften Beobachter mochte es als ein harmonisches Bild vorkommen. Ruhe, Stille, Entspannung. Aber das war nur die Oberfläche. Darunter sah es ganz anders aus. Die Gedanken Zimmermanns umkreisten noch immer den letzten Fall.

Eine alte, vertrocknete Mumie, die in einer Hauswand eingemauert war. Eine ungewöhnliche Art und Weise, um aus dem Leben zu scheiden – vor allem, wenn es ein Selbstmord war. Aber ohne fremde Hilfe war das nicht machbar. Die Ehefrau musste geholfen haben. Aber warum war sie so apathisch? Warum erwartete sie, von einem Toten heimgesucht zu werden?

»Da passt was nicht. Irgendwie stinkt die Sache. Da muss noch mehr sein. Wir haben etwas Entscheidendes übersehen.«, murmelte der Kommissar immer wieder vor sich hin.

»Hallo Chef.«, hörte er plötzlich neben sich.

Er sah über den Rand seiner Sonnenbrille hinweg und entdeckte Inspektor Schmidt, der von einem zum anderen Ohr grinste.

»Ich konnte es nicht glauben, als es mir die Kollegen erzählt haben. Aber sie sitzen tatsächlich vor mir.«

Schmidt sah sich um. Der kleine Platz an der Hönnetalstraße war voll. Hier waren über fünfzehn Wohnmobile geparkt. Eines davon gehörte dem Kommissar.

Zimmermann lächelte verlegen, als er über eine Erklärung nachdachte.

»Ich habe mich schon lange gefragt, was an diesem Platz so besonders ist. Warum stehen hier Woche für Woche so viele Wohnmobile? Warum kommen sie vor allem aus der näheren Umgebung und verbringen ihre Zeit an einer stark befahrenen Straße?«

Er wies mit der Hand hinter sich. »Also hab ich mir vor ein paar Tagen ein eigenes Wohnmobil gekauft und habe es mir hier gemütlich gemacht.«

»Und warum ist es hier so voll? Was haben sie herausgefunden?«

Zimmermann zuckte mit den Schultern. »Keine Ahnung. Ich habe nicht nachgefragt. Ich sitze hier, entspanne mich und schalte mal ab.«

Schmidt verzog zweifelnd das Gesicht.

»Abschalten? Sie? Glaube ich nicht. Ich bin mir sicher, dass sie sich mit irgendeinem Fall beschäftigen.«

Zimmermann seufzte laut. »Sie haben mich durchschaut. Ich komme einfach nicht vom Mumienfall los. Ich bin mir nicht sicher, dass das schon alles gewesen ist. Einfach Selbstmord und fertig? Nein. Wir haben da irgendwas übersehen. Da muss noch mehr sein. Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir mehr finden, wenn wir nur eine Chance finden, um unter er Oberfläche zu kratzen. Ich weiß nur leider nicht mal ansatzweise, wo wir beginnen sollten.«

Während sie miteinander sprachen, diskutierten und noch einmal die Fakten durchgingen, versammelten sich immer mehr Besucher des Campingplatzes an einem der Fahrzeuge. Es entwickelte sich eine kleine, aber auffällige Menschentraube, die sich in heller Aufregung befand. Es dauerte ein paar Minuten, bis Zimmermann darauf aufmerksam wurde.

»Was ist denn da los? Was geht da vor sich?«

Die zwei Kriminologen erhoben sich von ihren Stühlen und schlenderten den anderen Leuten nach. Schnell erkannten sie, dass alles Augen auf ein Tablet gerichtet waren.

»Ich sags euch, dass ist die beste Independent Produktion, die ich in den letzten Jahren gesehen habe. Dagegen ist der Fitzek nur ein billiger Abklatsch. Es sieht alles aus, als wäre es echt.«, erklärte der Mann, um den sich alles drängte.

»Ich schaue da schon lange zu. Ist so eine Art Langzeitthriller.«

»Das ist doch keine Produktion,das ist ne Webcam. Das ist echt.«

Die Meinungen gingen völlig auseinander. Es wurde viel diskutiert. Auf einen gemeinsamen Nenner kam man aber nicht. Dafür fiel es aber Zimmermann und Schmidt umso schwerer, sich nach vor vorzukämpfen, um ebenfalls einen Blick auf das präsentierte Video zu bekommen.

»Wenn ich bloß wüsste, wo das ist. Ich würd gern mal da hin, um live bei den Dreharbeiten dabei zu sein.«

»Da wird doch der Hund in der Pfanne verrückt.«, war der Kommissar schließlich überrascht. »Das ist unser Fall.«

Ohne weiter zu zögern, zog er seine Dienstmarke aus der Hosentasche und hielt sie in die Höhe.

»Okay, der Kinonachmittag ist jetzt offiziell beendet. Begeben sie sich alle zu ihren Fahrzeugen und genießen sie den Rest des schönen Tages.«

Er sah dem Besitzer des Tablets er in die Augen. »Und sie kommen mit mir. Wir haben etwas zu besprechen.«

Wenige Minuten später saßen sie zu dritt m Wohnmobil des Kommissars um den kleinen Tisch herum.

»Schmidt, sie kümmern sich als erstes um Kaffee.«

Schmidt nickte, trat zur Küchenzeile rüber und wunderte sich. »Ist das etwa die Maschine aus unserem Büro?«

»Ist nur geborgt. Macht halt den besten Kaffee. Und genau den brauche ich jetzt.« Er tippte sich mit dem Zeigefinger an die Schläfe. »Meine Maschine raucht Sprit, damit sie richtig funktioniert und auf Touren kommt. Also kochen sie mir einen schönen starken, schwarzen Kaffee so schwarz wie der Kackhaufen, in den ich heute Morgen getreten bin.«

»Schwarzer Kackhaufen?«, wunderte sich Schmidt. »Sind Kackhaufen nicht normalerweise braun?«

»Nein, der war schwarz, so schwarz wie ein ordentlicher Kaffee, den sie schon längst fertig haben könnten.«

Er wandte sich seinem Gast zu und ließ sich zunächst mehr über die gesehen Videos erklären.

»Ich sehe da schon seit mehreren Jahren zu.Ist ein absoluter Geheimtipp im Netz für Leute, die das Besondere suchen, die sich nicht mehr vom Einheitsbrei der Fernsehsender berieseln lassen wollen. Das hier ist richtig revolutionär. Das wird die Zukunft der Unterhaltungsbranche sein.«

»Und was haben sie bisher auf diesem Kanal gesehen?«

Der Mann zögerte. Es schien ihm mittlerweile zu dämmern, dass er sich allabendlich etwas ansah, dass nicht moralisch und womöglich nicht legal war.

»Sie müssen mir glauben, dass ich mir keine Gedanken gemacht habe, ob ich was Verbotenes mache. Es steht nichts dabei Keine Warnhinweise oder so.«

»Geschenkt. Interessiert mich nicht. Ich will mehr über die Videos wissen.«

Der Camper nickte. »Der ganze Hof ist mit Kameras ausgestattet, teils draußen, teils in den Gebäuden. Man ist bei den wichtigsten Ereignissen dabei. Und alles andere kann man sich in einer Mediathek anschauen. Das Beste ist aber ein externes Forum. Dort kann man sich mit anderen Fans austauschen. Vor allem diskutieren wir, wo sich der Hof befindet. Ich vermute ja, dass das irgendwo in Sachsen ist. Schön abgelegen. Aber sicher ist sich niemand.«

Er berichtete noch eine ganze Weile über die Videos der letzten Jahre. Es hatte mit der Einrichtung des privaten , buddhistischen Tempels angefangen, den weiteren Ausbau bis hin zum martialischen Selbstmord des Mannes der zur Mumie geworden war.

»Das Beste war die Kamera in der Wand. Ich war live dabei, als der Todeskampf in die entscheidende Runde ging.Die Schmerzensschreie, das Betteln um Gnade, der Niedergang, die letzten Atemzüge. Es war unglaublich. Der Schauspieler war irre gut. Ich hätte es fast für echt gehalten. Der ist reif für den Oscar. Und dann die verzweifelte Ehefrau, die ihrem Mann bei der Mumifizierung hilflos zuschauen musste. Köstlich. Hätte fast mit ihr um die Wette geheult. Noch spannender war dann die Zeit, er sie die Stimme des Toten gehört hat. Das war so ein mentaler Druck. Besser als jeder Roman von Stephen King.

Ach, und als die Polizei dann kam und unverrichteter Dinge wieder abzog. Zu gut. Ich hab mich über den Kommissar echt kaputt gelacht. Was für eine tragische Figur.«

Er schien kurz nachzudenken und sah Zimmermann verdutzt an. »Wissen sie, irgendwie kommen sie mir ja bekannt vor. Ich habe sie schon mal irgendwo gesehen. Ich komme nur grad nicht drauf.«

Zimmermann lächelte gequält, nahm den letzten Schluck Kaffee aus seiner Tasse und bedankte sich für die ausführlichen Beschreibungen und verabschiedete den Mann. Dann wandte er sich wieder an Schmidt.

»Ich habe ihnen gleich gesagt, dass da mehr hinter steckt, als wir zunächst dachten. Wir sollten uns der Sache wieder annehmen. Sichern sie bis dahin so viele Videos wie möglich. Die Staatsanwaltschaft wird sich freuen.«

Am nächsten Tag waren sie wieder auf dem Weg nach Heidermühle. An vorderster Font befand sich der Dienstwagen von Zimmermann und Schmidt. Im Abstand von zehn Minuten folgten ihnen mehrere Streifenwagen, die bis auf den letzten Sitzplatz mit Beamten besetzt waren.

»Wir sind nur die Speerspitze.«, erklärte der Kommissar ein weiteres Mal. »Wir überraschen die Hofbesitzer mit dem Durchsuchungsbefehl, werden sie mit den Vorwürfen konfrontieren und werden eine erste Sichtung der Umgebung vornehmen.«

Er nahm den Bauplan der Hofgebäude aus der Tasche und betrachtete noch einmal die vermutlichen Standorte der Kameras, die Schmidt in der Nacht eingezeichnet hatte.

»Das wird eine Menge Arbeit. Wie gut, dass wir das nicht allein machen müssen.«

Sie erreichten den Hof und hielten vor dem Hof der Besitzer. Das dort lebende Ehepaar kam nur Sekunden später vor die Tür.

»Frau Reinders, sie sehen nicht gut aus. Liegt ihnen etwas auf der Leber, dass sie nicht gut schlafen lässt?«, fiel Zimmermann gleich mit der Tür ins Haus.

Frau Reinders seufzte. »Können sie sich das nicht denken? Wir leben hier auf dem ruhigen Land. Und dann wird hier so eine grauenhafte Leiche gefunden. Wen würde das nicht mental aus der Bahn werfen? Ich muss das erstmal verarbeiten.«

»Nun ja, ihr Mann scheint das Ganze besser weggesteckt zu haben. Anders könnte ich mir sein Grinsen auch nicht erklären.«

Das Grinsen seines Gegenübers erstarb augenblicklich und wich einem bitterbösen Blick.

»Was wollen sie damit andeuten? Wollen sie mir irgendwas in die Schuhe schieben? Sie und ihre Leute haben doch schon festgestellt, dass der Verrückte Selbstmord begangen hat. Was soll ich denn damit zu tun haben? Sie verschwenden hier nur ihre und auch unsere Zeit.«

Zimmermann lächelte. »Das wird sich noch zeigen, was hier verschwendet wird.«

Er drehte sich langsam im Kreis. Einmal – zweimal.

»Darf ich mal?«

Er schob Reinders sanft zur Seite und griff gezielt unter den Briefkasten. Er holte eine geschickt angebrachte Miniaturkamera zum Vorschein.

»Ich glaube, wir sind nicht umsonst gekommen.«

Reinders wurde rot im Gesicht. Wut kochte in ihm hoch.

»Lassen sie gefälligst ihre Finger bei sich. Sie haben überhaupt kein Recht hier …«

Weiter kam er nicht. Der Kommissar hielt ihm den Durchsuchungsbefehl unter die Nase.

»Hier! Hat der Richter heute Morgen frisch unterschrieben. Wir dürfen also alles, was wir uns vorstellen können. Sollten sie uns dabei stören, sollten sie versuchen Beweise zu verstecken oder zu vernichten, werden wir sie in Verwahrung nehmen. Meine Kollegen werden gleich da sein und sich darum kümmern.«

Als wäre es geplant gewesen, bogen nun drei Streifen wagen auf den Hof und entließen fünfzehn uniformierte Männer und Frauen.

»Seht euch überall genau um. Ihr kennt in etwa die Stellen, die wichtig sind.«, ordnete Zimmermann an. »Anschließend nehmt ihr alles andere unter die Lupe.«

Er warf einen Blick auf seinen leeren Kaffeebecher. »Und wer hat mir einen neuen Kaffee mitgebracht?«

Er bekam neuen Hirnsprit überreicht. Dann wandte er sich wieder an die Reinders.

»Sie können mit uns zusammenarbeiten und die Sache beschleunigen. Sowohl der Richter als auch der Staatsanwalt werden das wohlwollend berücksichtigen. Sie können sich aber auch still in die Ecke setzen.«

»Sie haben nichts in der Hand.«, ätzte Reinders zurück.

»Was hat das alles zu bedeuten?«, wollte nun seine Frau wissen. »Warum sind die alle hier?«

»Nichts. Gar nichts. Die Bullen haben nur viel zu viel Langeweile. Statt sich um Verbrecher zu kümmern, nerven sie unbescholtene Bürger, die nichts getan haben.«

Die Ermittlungen förderten einiges zu Tage. Insgesamt würden fünfzig versteckte Kameras gefunden, die teilweise über Kabel, teilweise über W-LAN angebunden waren. Der dazu passende Computer war auch schnell gefunden. Er stand in einer versteckten Ecke auf einem alten Heuboden.

»Mit Passwörtern gesichert.«, grummelte Zimmermann. »Da sollen die Experten ran.«

Er suchte ein weiteres Mal seinen Hauptverdächtigen auf. »Sie wollen sich noch immer nicht dazu äußern?«

Reinders schüttelte den Kopf. »Von mir erfahren sie nichts.«

Zimmermann verzog grimmig das Gesicht. »Sie sitzen eh schon ganz tief in der Scheiße. Diese Totalüberwachung bringt sie in den Knast.«

Reinders zuckte nur die Schultern. »Und? Mit diesem verrückten Mumienfreak habe ich trotzdem nichts zu tun. Ich hab nur dafür gesorgt, dass sich Leute das alles im Internet anschauen können und dadurch etwas Geld nebenher verdient.«

»Sehr gut.«, freute sich der Kommissar. »Dann kommt also auch noch Steuerhinterziehung auf ihr Konto. Davon wussten wir tatsächlich bis jetzt noch nichts.«

Reinders biss sich auf die Zunge. Er hatte eigentlich nicht vorgehabt, sich selbst weiter in die Sache reinzureiten.

»Ich habe den Sensationslustigen nur gegeben, was sie wollten.«

In diesem Moment betrat Schmidt den Raum. »Ich glaube, ich habe was gefunden.«

In seinen Händen hielt er einen Stapel Bücher., deren Titel er nach und nach vorlas.

»Mumien der Weltgeschichte, Mumien im Buddhismus, Beherrschung und Manipulation von Menschen. Es sind noch mehr Titel da. Es sieht ganz danach aus, als hätte er das alles eingestielt. Zusätzlich haben die Kollegen im Tempel kleine Lautsprecher und hier im Haus ein Funkmikrofon gefunden.«

Reinders seufzte, ließ die starken Schultern hängen. Er sackte in sich zusammen.

»Sie haben den Mann dazu verleitet, Buddhist zu werden.«, begann Zimmermann zu kombinieren.« Sie haben ihn massiv manipuliert, ihn dazu gebracht, sein Seelenheil in der Mumifizierung zu suchen. Se sind dafür verantwortlich, dass seine Frau ständig Stimmen hörte, sich von ihrem toten Mann beobachtet und verfolgt fühlte. Sie stecken hinter der ganzen Scheiße.«

Reinders nickte wortlos und ließ den Kopf hängen.

»Die einzige Frage ist nur, warum das alles?«

»Weil sie mich verschmäht hat. Sie wollte nichts mit mir anfangen. Also hab ich ihren Mann und ihre Seele zerstört. Es hat lange gedauert, aber es hat sich für jeden Tag gelohnt.«

Zimmermann entgleisten sämtliche Gesichtszüge. »Sie haben seine Frau angegraben? Und weil sie nicht darauf einging, haben sie das alles abgezogen? Sie sind doch krank. Ich finde gerade keine passenden Worte, um auszudrücken, was ich in diesem Moment empfinde. Ich habe sehr viele Kriminalfälle in meiner Karriere gelöst, aber das hier schlägt dem Fass den Boden raus.«

chts mit mir anfangen. Also hab ich ihren Mann und ihre Seele zerstört. Es hat lange gedauert, aber es hat sich für jeden Tag gelohnt.«
Zimmermann entgleisten sämtliche Gesichtszüge. »Sie haben seine Frau angegraben? Und weil sie nicht darauf einging, haben sie das alles abgezogen? Sie sind doch krank. Ich finde gerade keine passenden Worte, um auszudrücken, was ich in diesem Moment empfinde. Ich habe sehr viele Kriminalfälle in meiner Karriere gelöst, aber das hier schlägt dem Fass den Boden raus.«

(c) 2018, Marco Wittler

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